Bausparvertrag
Jedes Jahr schließen hunderttausende Österreicher einen Bausparvertrag ab. Aus höchst unterschiedlichen Gründen: als Ansparprodukt für die Kinder, für die Schaffung von Eigentum oder Sanierung und Renovierung oder auch als Anlageform. Bausparen gilt als sicher, einfach – doch von den Zinsen her ist es wenig attraktiv. Zum Vermögensaufbau dient es derzeit kaum, bestenfalls halbwegs zur Erhaltung – abhängig freilich vom Zinsumfeld. Wann zahlt daher sich ein Bausparvertrag aus? Und für wen?
Was ist ein Bausparvertrag?
In Österreich gibt es vier Bausparkassen, die Bausparverträge und Bauspardarlehen anbieten. Daher ist es relativ einfach, die unterschiedlichen Angebote zu vergleichen. Bausparen gilt als sicher, unkompliziert und von den Zinsen her bedingt attraktiv, wenn man Kapital aufbauen will. Einfach gesagt, spart man über einen Zeitraum von in der Regel sechs Jahren (es gibt auch längere Formen, die aber nicht allgemeiner Natur sind, sondern institutsspezifisch) auf den Bausparvertrag ein, erhält dafür überschaubare Zinsen, kann aber eine staatliche Zusatzprämie lukrieren – und man erwirbt die Möglichkeit eines Bauspardarlehens, das deutlich höher bemessen ist, als das eigentliche Kapital, das man angespart hat.
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Wüstenrot Bausparkasse
Start Bausparkasse
Wer schließt einen Bausparvertrag ab?
Gerne machen das Eltern oder Großeltern, wenn sie für die Kinder oder Enkelkinder ansparen wollen. Zumeist geht das dann über mehrere Laufzeiten: Bei Geburt abschließen, 3x6 Jahre ansparen, und die Gesamtsumme dem Sprößling dann mit 18 Jahren mit auf den weiteren Lebensweg geben. Das ist nach wie vor eine sehr häufige Begründung für Bausparen. Aber gerade in der Finanzierung von Immobilien oder bei Sanierungs- und Renovierungsarbeiten spielt Bausparen eine ebenso wichtige Rolle. Man kann beispielsweise auf eine größere Anschaffung bequem hinsparen – und am Ende der Laufzeit je nach monatlicher Einzahlungssumme über einiges Kapital verfügen. Dass das Konzept Bausparen nach wie vor eine große Berechtigung hat, zeigen Zahlen des Bausparkassenverbandes: Mehrere Millionen Bausparverträge sind im Laufen, im Jahr 2019 (neuere Daten fehlen noch) wurden rund 572.000 neue Bausparverträge abgeschlossen. Das Bauspareinlagevolumen lag 2019 bei mehr als 18 Mrd. Euro!
Wie funktioniert der Bausparvertrag?
Das Bausparkassengesetz regelt Mindestlaufzeit, Mindestprämie und Höchstzinssatz genau. Das heißt, es gibt hier wenig Verhandlungsspielraum.
Jeder Bausparvertrag wird auf einen bestimmten Betrag abgeschlossen. Diese „vereinbarte Sparleistung“ ist die Summe aller Einzahlungen (ohne Zinsen, Prämie oder auch Entgelt für Kontoführung), zu deren Erbringung sich der Bausparer verpflichtet bzw. die er ohne Zustimmung der Bausparkasse höchstens einzahlen kann.
Während der Ansparphase gibt es Zusatzprämien vom Staat, die allerdings nur bis zu einer jährlichen Höchstsparsumme von 1.200 Euro gelten. (Mehr dazu weiter unten).
Der Bausparvertrag selbst ist in drei Phasen – Spar-, Zuteilungs- und Darlehensphase – gegliedert. Während der Ansparphase erhält man Zinsen. Ist ein gewisses Mindestkapital angespart, tritt die Zuteilungsphase in Kraft: Jetzt hat man die Wahl, ob man ein Bauspardarlehen annehmen oder eines zu einem späteren Zeitpunkt nutzen möchten. Man kann auch den Bausparvertrag auflösen und sich die Sparsumme auszahlen lassen. Allerdings verfällt in diesem Fall der Darlehensanspruch. Bauspardarlehen gelten als sicher, solide, übersichtlich und gut planbar – nimmt man eines, beginnt die Darlehensphase.
Welche Formen des Bausparvertrags gibt es?
Alle vier Bausparkassen bieten im Prinzip ähnliche, in Nuancen etwas unterschiedliche Produkte an. Es gibt Angebote mit fixen, variablen oder einer Kombination aus beiden Zinsmodellen, das klassische Bausparen, spezielle Formen für Jugendliche, alles in der Regel mit einer Laufzeit von sechs Jahren. Dann ist es Zeit für einen neuen „Bausparer“. Allerdings bietet die Wüstenrot Bausparkasse auch die Möglichkeit, auf 10 Jahre zu verlängern – freilich ohne staatliche Prämie, dafür mit einer Wüstenrot-Prämie und in den ersten Jahren eher geringen Zinsen. Ein Unterschied liegt also sehr wohl in den Incentives, die von einer Bausparkasse geboten werden – das reicht von Einmalprämien bis zu anderen Gutschriften. Hier kann sich ein Vergleich lohnen.
Wann lohnt sich Bausparen?
Wer eine übersichtliche, millionenfach bewährte, traditionelle und nicht nervenaufreibende Sparform sucht, ist mit einem Bausparvertrag gut beraten. Man muss dann allerdings auch die wenigen Zinsen „mitkaufen“ bzw. berücksichtigen. Im Prinzip ist das Bausparen eine angenehme Angelegenheit, die sozusagen nebenher läuft und bei der man sich zurücklehnen kann, ohne sich täglich mit dem Kapital beschäftigen zu müssen. Im heutigen Zinsumfeld schafft man damit allerdings bestenfalls den Werterhalt. Von Vermögensaufbau kann nur bedingt die Rede sein.
Wie hoch sind die Zinsen?
Der Fixzinssatz beläuft sich derzeit auf etwa 1,0 – 1,5 % p. a., der variable Zins hängt vom EURIBOR plus Marge seitens Bausparkasse ab, wobei die Werte etwa zwischen 0,1 und 4,0 % p. a. liegen. Mittlerweile gibt es auch Fixzinssätze für einen gewissen Zeitraum, meistens ein Jahr, aber auch für ein halbes Jahr – je nach „Aktion“ der jeweiligen Bausparkasse. Hier lassen sich durch Vergleichen ein paar Euro herausholen.
Hier ein aktuelles Beispiel der Wüstenrot:
Monatliche Sparleistung: € 100,- auf sechs Jahre€ 7.200,-
+ 2,0 %* Zinsen in den ersten 6 Monaten, danach marktgerechte Zinsen 
+ staatliche Bausparprämie 
= Maximal-Guthaben nach 6 Jahren
= Mindest-Guthaben nach 6 Jahren
€ 8.436,-
€ 7.314,-
Was ist beim Abschluss eines Bausparvertrags zu beachten?
Zahlungsweise: Je nach Einzahlungsrhythmus können die Zinsen bzw. der Ertrag etwas variieren. Daher checken, was am meisten bringt und von der Belastung her möglich ist.
Darlehen im Visier: Wer vorhat, ein Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen, der braucht auch einen Bausparvertrag.
Vorsorge für die Kids: Je nach Alter der Kinder oder auch Enkel die Laufzeit gut planen – Sechs-Jahres-Schritte sinnvoll timen.
Was ist die staatliche Bausparprämie?
Bausparen wird vom Staat in Form einer Bausparprämie gefördert. Diese wird dem Bausparkonto jährlich als Prozentsatz der geleisteten Einzahlungen gutgeschrieben. Dabei gilt eine Obergrenze von 100,- Euro monatlich oder 1.200,– Euro jährlich für 6 Jahre. Das gilt auch bei einem Einmalerlag: Werden 7.200,- auf einmal einbezahlt, so werden in den Folgejahren 6.000,- Euro prämienbegünstigt berücksichtigt.
Die Höhe der Bausparprämie wird jährlich vom Staat, konkret vom Finanzministerium, festgelegt. 2021 beträgt sie 1,5 % der Einzahlung, was maximal 18,00 Euro gleichkommt. Die Gutschrift der Prämie erfolgt jeweils am 30. Jänner des Folgejahres. Ob man Anspruch auf diese Prämie hat, hängt vom Wohnsitz, vom Ort der Steuerpflichtigkeit und auch der Staatsbürgerschaft ab. Alles muss in Österreich sein.
Was passiert bei vorzeitiger Kündigung?
Davon ist abzuraten. Besser ist es, man sucht bei Problemen das Gespräch mit der Bausparkasse. Die Arbeiterkammer warnt regelrecht davor, vorzeitig zu kündigen – und weist auch auf schwierige Kündigungsbedingungen in den Verträgen hin. „Wer seinen Bausparvertrag verfrüht auflöst, zahlt drei Mal drauf“, stellt die AK fest: Das Guthaben wird rückwirkend mit einem Mini¬mal¬zins¬satz abgezinst, die staatliche Prämie wird rückverrechnet und es fällt ein Kündigungsbeitrag an, der so¬ge¬nannt¬e Ver¬walt-ungs¬kosten¬bei¬trag an. Damit steigt man auf jeden Fall mit Verlust aus.
Welche Vor- und Nachteile hat ein Bausparvertrag?
Vorteile
Sicher, einfach, bewährt
Bauspardarlehen als Folge des Bausparvertrags
Höhere Verzinsung bei jugendlichen Sparern
Individuelle Einzahlungsmöglichkeiten
Staatliche, steuerfreie Prämie (keine KESt)
Sparguthaben durch Einlagensicherung gesichert
Aussetzen von Zahlungen nach Vereinbarung möglich
Nachteile
Mindestens sechs Jahre Laufzeit
Mindestbeitrag 30 Euro im Monat
Frühere Kündigung aufwändig und auch „teuer“
Vergleichsweise niedrige Zinsen
Im aktuellen Zinsumfeld eher unattraktive Anlageform
Zum Vermögensaufbau nur bedingt geeignet
Staatliche Prämie in den letzten Jahren niedrig (1,5 %)
Bauspardarlehen oft teurer sein als alternative Finanzierungsmethoden
Obergrenze beim Bauspardarlehen in Höhe von 220.000 Euro/Person
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