Sondertilgung - Wissenswertes zur vorzeitigen Rückzahlung

Im Zusammenhang mit einem Wohnbaukreidt wird in Österreich stets eine neben der Zinszahlung regelmäßige Tilgung vereinbart. Unter Umständen wünschen Kreditnehmer allerdings ein zusätzliches Sondertilgungsrecht. Damit ist gemeint, dass eine zusätzliche Tilgung gemacht wird, die im Zusammenhang mit dem regelmäßigen Tilgungsrhythmus außerplanmäßig stattfindet. Bezüglich dieser Sondertilgung gibt es allerdings einige Punkte zu beachten.

Sondertilgung

Worum handelt es sich bei der Sondertilgung?

Von einer Sondertilgung wird immer dann gesprochen, wenn ein Kredit außerplanmäßig in Teilen oder in seiner Gesamtschuld vorzeitig zurückgezahlt werden soll. Während die regelmäßige Tilgung fest mit der entsprechenden Bank vereinbart wird, ist die Sondertilgung in aller Regel ein unvorhergesehenes und somit nicht geplantes Ereignis. Es gibt durchaus eine Reihe von Situationen, in denen eine Sondertilgung aus Sicht des Kreditnehmers möglich ist, beispielsweise:

Erbschaft

Abfertigung

Unerwarteter Gewinn

In all diesen Fällen stehen plötzlich Geldmittel zur Verfügung, die von zahlreichen Kreditnehmern gerne verwendet werden, um den Kreditaushaftung zu reduzieren oder den Kredit auf diese Weise schneller abzuzahlen.

Muss die Bank einer Sondertilgung zustimmen?

Oft sind pönalfreie Sondertilgungen zwischen dem Kreditnehmer und der kreditgebenden Bank bei Abschluss des Darlehensvertrages bis zu 10.000 EUR jährlich vereinbart. Da der Kreditvertrag selbstverständlich zweiseitig bindend ist, ist der Kreditgeber aber nicht dazu verpflichtet, eine kostenfreie Sondertilgung zuzulassen, wenn es vertraglich nicht festgehalten ist. Dies gilt zumindest bei herkömmlichen Immobilienkrediten, die mit einem Fixzins ausgestattet sind.

Anders verhält es sich lediglich bei gewöhnlichen Ratenkrediten und bei variabel verzinslichen Wohnbaukrediten In diesen Fällen muss die Bank der Sondertilgung zustimmen, denn der Kreditnehmer hat für gewöhnlich jederzeit oder mit einer Kündigungsfrist von 3-6 Monaten das Recht, eine außerplanmäßige Tilgung vorzunehmen. Handelt es sich jedoch um ein Immobilienkredit mit Fixzinsvereinbarung, ist der Kreditnehmer auf die Kulanz und gleichzeitige Zustimmung der Bank angewiesen, dass eine kostenfreie Sondertilgung vorgenommen werden kann.

Kann die Sondertilgung im Voraus vereinbart werden?

Der beste Weg ist es sicherlich, wenn Sie eine spätere mögliche Sondertilgung bereits bei Abschluss des Kreditvertrages mit Ihrer Bank vereinbaren. Sie haben dann später keine Probleme damit, die außerplanmäßige Tilgung tatsächlich vorzunehmen. Bei solchen Vereinbarungen gibt es eine Varianten, die in der Praxis relativ häufig anzutreffen sind, nämlich:

Sondertilgung bis zu einem festen maximalen Betrag pro Jahr, beispielsweise bis 10.000 Euro

Fernab der Möglichkeit, überhaupt eine Sondertilgung leisten zu dürfen, stellt sich noch eine weitere Frage: ist die Sondertilgung kostenfrei oder kostenpflichtig? Wenn Sie mit Ihrer Bank keine außerplanmäßige Tilgung vereinbart haben und es sich um ein Darlehen mit Fixzins handelt, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass der Kreditgeber eine Entschädigung verlangen wird. Dabei handelt es sich um die sogenannte Pönale

Diese müssen Sie als Kreditnehmer oft zahlen, wenn Sie einen Teil des Darlehensbetrages oder auch die gesamte Restschuld vorzeitig ablösen möchten. Der übliche Wert für diese Strafgebühr, auch Pönale genannt liegt bei 1% des zusätzlich zurück gezahlten Betrages, für den es keine kostenfreie Sondertilgungsregelung gibt.

Sondertilgung durchführen oder Kapital anlegen?

Zahlreiche Kreditnehmer haben einen gewissen Geldbetrag zur Verfügung, sodass sie vor der Entscheidung stehen, ob sie eine Sondertilgung vornehmen oder das Geld stattdessen anlegen sollen. Diese Frage ist durchaus nicht einfach zu beantworten, denn aufgrund der anhaltenden Niedrigzinssituation kann es tatsächlich sinnvoller sein, auf eine Reduzierung des Restsaldos zu verzichten, also keine Sondertilgung vorzunehmen, sondern das Kapital stattdessen anzulegen.

Ob dies funktioniert, hängt in erster Linie von der gewählten Geldanlage ab. Wenn wir uns einmal die üblichen Zinsen auf dem Sparbuch betrachten, die selten oberhalb von 0,5 Prozent anzutreffen sind, würde es sicherlich keinen Sinn machen, auf die Sondertilgung zu verzichten und das Kapital stattdessen vielleicht zu einem Zins von 0,3 Prozent anzulegen. Möchten Sie Ihr Kapital hingegen zum Beispiel in Aktien oder Aktienfonds investieren, ist die langjährige Rendite deutlich höher (im Durchschnitt) und liegt nicht selten bei sechs bis sieben Prozent.

Dann wäre es sicherlich wirtschaftlich nicht sinnvoll, das zur Verfügung stehende Kapital zu nutzen, um eine Sondertilgung bei einem Kredit vorzunehmen, bei dem Sie zum Beispiel einen Zins von 1,2 Prozent zahlen. Stattdessen wäre es wirtschaftlicher, das Geld in Aktien anzulegen und vielleicht eine gute Rendite von sechs bis sieben Prozent pro Jahr zu erhalten. Sie müssen also stets im Einzelfall überlegen, ob die geplante Sondertilgung die beste Lösung ist.

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