Energieausweis
Vor mehr als 10 Jahren wurde in Österreich der Energieausweis eingeführt. Doch bis heute wissen viele Menschen, die sich für eine Immobilie interessieren, was der Energieausweis aussagt oder wozu er überhaupt gut ist – und was man tun, wenn keiner vorliegt. Hier finden Sie Tipps und wichtige Infos rund um ein Thema, das gerne unterschätzt wird.
Warum gibt es den Energieausweis eigentlich?
Gebäude zählen zu den größten Konsumenten von Energie. Sie brauchen im Winter Energie zum Wärmen und angesichts zunehmender Hitzetage und stärker aufkommender Klimaanagen Energie zum Kühlen im Sommer. Wieviel Energie nun ein Haus, eine Wohnung, ein Büro oder auch ein gesamtes Objekt benötigt, wird mittels des Energieausweises berechnet und dokumentiert. Die Wichtigkeit einer solchen Messung wurde schon vor 20 Jahren (!) in der ersten EU-Gebäuderichtlinie (Richtlinie 2002/91/EG über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden) erkannt: Damals wurde die Entwicklung einer Messmethode gefordert, um die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden zu berechnen und Energieausweise zu erstellen. Das war die „Geburtsstunde“ und die rechtliche Basis für den heute verpflichtenden Energieausweis.
Was ist der Energieausweis?
Der Energieausweis beurteilt die Gesamtenergieeffizienz eines Objekts. Er gibt Auskunft über Heizwärmebedarf, Primärenergiebedarf, CO2-Emissionen und Gesamtenergieeffizienzfaktor eines Hauses oder eines Gebäudeteils (Wohnung, Geschäftslokal etc.) an. Die Berechnung unterliegt eigenen Normen bzw. der Annahme bestimmter Situationen bzw. von „Normbedingungen“. Hier wird berücksichtigt, wie die Nutzung erfolgt, wie groß die Wohn- bzw. Nutzfläche ist oder wie viele Menschen im Haus leben. Auch die durchschnittliche Zimmertemperatur wird erfasst. Vor allem aber werden die thermischen Voraussetzungen – Zustand bzw. Alter der Fenster, des Dachs, der Außendämmung etc. – berücksichtigt. Aus diesen Annahmen lassen sich Vergleichswerte mit anderen Objekten ziehen. Konkret erfasst werden z. B.
Gebäudehülle (Wand-, Decken-, Dach- und Bodenaufbauten, Fenster, Türen)
Verschattung durch Bäume, Häuser oder andere Hindernisse
Heizsystem
Lüftungssystem
Warmwasserbereitung
Eingesetzte Energieträger (Strom, Erdgas, Heizöl, Pellets, Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpe etc.)
Kühlung
Beleuchtung, Geräte
Klimadaten (Heizgradtage, Sonneneinstrahlung, etc.)
Was bringt der Energieausweis?
Finanziell gesehen ist er eine wertvolle Unterstützung in der Planung der künftigen Aufwendungen für Wohnen, Heizen oder Kühlen. Etwas weitergedacht, sagt er viel über die Umweltverträglichkeit eines Objekts aus. Ist die Gesamtenergieeffizienz gut, bewohnt oder nutzt man ein ressourcenschonendes Objekt. Ist sie schlecht, trägt man unbewusst oder bewusst zur Ressourcenvergeudung bei. Der Energieausweis ist daher eine ganz wichtige Informationsquelle für Interessenten: Ist der Wert schlecht, sind in der Regel in den nächsten Jahren teure Investitionen nötig. Damit ist er aber auch eine wichtige Hilfestellung für die Planung solcher Projekte und auch generell zur Frage des Kaufs.
Tipp: Mit einem Energieausweis erkennt man, was auf einen zukommt und kann entsprechend nachdenken, verhandeln oder vielleicht auch absagen.
Wie sieht der Energieausweis aus und was zeigt er?
Er besteht aus vielen Seiten, ist zumeist in einer Art „Booklet-Form“ gehalten – und für Laien eigentlich nur auf den ersten Seiten zu nutzen bzw. interessant. Dort ist nämlich anschaulich das Ergebnis zusammengefasst, während auf vielen weiteren Seiten die technischen Daten zu sehen sind. Auf den ersten Seiten sind zu sehen:
Der spezifische Referenz-Heizwärmebedarf (HWB) gibt an, wie groß die Wärmemenge [kWh/m²a] ist, die in einem Gebäude oder Gebäudeteil bereitgestellt werden muss, um den Raum auf einer Temperatur von 20 °C zu halten (das ist eine angenehme, durchschnittliche Wohntemperatur
Mit dem Nutzenergiebedarf (NEB) wird ein „Zwischenschritt“ in der Berechnung des Endenergiebedarfes – und damit folgerichtig auch des Primärenergiebedarfes (PEB, siehe weiter unten) und der damit verbundenen CO2-Emissionen – gesetzt. Dieser NEB ist die Summe aus Heizwärmebedarf und Energiebedarf für das Warmwasser.
Der Endenergiebedarf (EEB) ist jene Energiemenge, die bezogen bzw. konsumiert werden muss (das heißt: kWh auf der Stromrechnung, kg Pellets bzw. l Heizöl auf der Lieferantenrechnung oder auch Pellets). Dieser EEB berechnet sich aus der Summe des Nutzenergiebedarfes und der Verluste des haustechnischen Systems sowie aller benötigten Hilfsenergien plus dem Strombedarf der Geräte und der Beleuchtung.
Mit dem Primärenergiebedarf (PEB) [kWh/m²a] wird der Energiebedarf inklusive des Energiebedarfs für zuvor anfallende Prozesse wie Rohstoffgewinnung, Umwandlung, Verteilung und Speicherung bezeichnet. Um ihn zu berechnen, wird der Endenergiebedarf mit einem vordefinierten Primärenergieeffizienzfaktor (fPE) multipliziert. Dieser ist je nach „Brennstoff“ unterschiedlich, bei Heizöl ist er 1,23, bei Erdgas 1,17 und bei Biomasse 1,80. Sollte das Objekt mit Strom beheizt werden, käme in diesem Fall der höchste Wert, nämlich 1,91 (Referenzwert Strommix Österreich) zum Tragen.
Mit dem Kennwert der CO2–Kohlendioxidemissionen [kg/m²a] wird gezeigt, wie hoch die CO2-Emissionen im Betrieb inklusive der Emissionen aus vorgelagerten Prozessen (konkret: Rohstoffgewinnung, Umwandlung, Verteilung bzw. Transport oder auch Speicherung) sind. Auch hier wird ein vorgegebener Faktor beigezogen, denn zur Berechnung dieser Emissionen wird der Endenergiebedarf mit dem CO2-Faktor fCO2 multipliziert. Dieser ist bei Heizöl sehr hoch (311 g/kWh) und bei Biomasse extrem niedrig (nur 4 g/kWh), um zwei Beispiele zu geben.
Schließlich noch der Gesamtenergieeffizienzfaktor (fGEE): Dieser errechnet sich aus dem Verhältnis von Endenergiebedarf zu einem Referenz-Endenergiebedarf (im konkreten ein ähnliches Gebäude wie das zu beurteilende, allerdings aus dem Jahr 2007). Ist der Wert größer als 1, ist das Gebäude eher ineffizient. Ist der Wert jedoch kleiner als 1, so gilt das Objekt als energieeffizient.
Wann muss ein Energieausweis vorgelegt werden und wie lange ist er gültig?
Praktisch immer dann, wenn mit dem Gebäude etwas passiert – also beispielsweise bei Neu- oder Umbau, für Förderansuchen, im Verkaufsfalle, aber auch bei Vermietung oder Verpachtung. Achtung: Bei fehlenden Angaben zur Energieeffizienz in Inseraten, egal ob elektronisch Medien oder in Druckwerken, oder bei nicht rechtzeitiger Vorlage bzw. Aushändigung drohen Verwaltungsstrafen von bis zu 1.450 Euro.
Kein Energieausweist ist nötig bei Gebäuden, die lediglich frostfrei zu halten sind (zB ein Mobilheim auf einem Pachtgrund oder ein Schrebergarten für den Sommer), bei Abbruchhäusern (die als solche auch gekennzeichnet sein müssen) oder bei freistehenden Gebäuden mit einer Gesamtnutzfläche unter 50 m².
Tipp: Der Energieausweis hat eine Gültigkeit von 10 Jahren. Danach müsste man für die oben angeführten Aktivitäten einen neuen erstellen lassen.
Wer darf einen Energieausweis erstellen?
Jeder, der dafür eine entsprechende Berechtigung hat. Das können sehr unterschiedliche Gewerke sein. In der Regel wird man auf die Kenntnisse von Experten aus dem Bereich Bauen und Energie oder auch Heizungstechnik setzen. Auch die großen Energieunternehmen bzw. Stromlieferanten haben entsprechende Partner oder bieten selbst diese Dienstleistungen an. Zudem gibt es in jedem Bundesland eigene Energieberatungsagenturen. Diese wissen auch, welche Unterlagen genau benötigt werden zur Vorbereitung. Das sind im wesentliche alle Aspekte, die das Haus in thermischer Hinsicht betreffen: Bau- und Umbaupläne, Fensterqualität, Heizungs- und Kühlungssystem, Raumgrößen und -nutzungsverhalten, um die wichtigsten zu nennen.
Wieviel kostet ein Energieausweis?
Das ist sehr unterschiedlich und ist auch nicht gesetzlich geregelt. Im Internet bieten manche Energieberatungsbüros sogar einen Energieausweis bereits ab 60 Euro an. Kommt jedoch jemand direkt vor Ort zur Besichtigung, kommt das natürlich teurer. Dann liegt der Preis bei ein paar hundert Euro bis 1.000 Euro bei Mehrparteienhäusern oder sehr großen Objekten.
Tipp: Niemals das erste Angebot gleich annehmen, der Vergleich lohnt hier in jedem Fall!
Welcher Wert ist nun ein guter Wert für die Energieeffizienz?
Die wichtigste und für Sie alles entscheidende Kennzahl, wenn Sie sich für ein Haus oder eine Wohnung interessieren, ist der Heizwärme¬bedarf. Dieser gibt an, wie hoch der Energiebedarf zum Heizen des Objektes ist und wird in kWh/m2 gemessen. Die Energie¬kennzahl zeigt den Heizwärmebedarf an: Je niedriger diese Kennzahl ist, desto besser ist die Energie¬effizienz und desto geringer der Energie¬verbrauch. Damit sind auch die Kosten optimiert. Die Energie¬effizienz¬klassen werden, ähnlich wie bei Elektrogeräten, mit Werten von A++ (entspricht sehr gut) bis G (also sehr schlecht) angegeben. So können Sie den Gesamt¬energie¬effizienz¬faktor Ihres Wunschobjekts abschätzen.
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