Zwischen Biedermeier und Bauhaus: Wir stellen die Wohnträume der Österreicher und Österreicherinnen vor
Egal, ob Sie auf der höchsten Alm oder in den Wiener Bobovierteln zuhause sind: Gegenwärtig wollen über ein Drittel der Menschen in Österreich ihre Wohnsituation verändern. Woher kommt dieser Wunsch nach Wandel? Und wie und wo wollen die Österreicher und Österreicherinnen lieber wohnen?
Österreicher und Österreicherinnen wollen sich in den eigenen vier Wänden sicher fühlen
Die Corona-Krise hat unser Verständnis von einem guten Zuhause grundlegend verändert. Die eigenen vier Wände empfinden die Menschen als Zufluchtsort, der sie vor einer turbulenten Welt schützt. Das bestätigen auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Studie, von denen 97 Prozent ein "schönes Zuhause" als fast so wichtig empfinden wie die eigene Gesundheit und sogar noch wichtiger als den Job oder die Familie. Sorry, Mama!
Immobilienbesitz, oder der Wunsch danach, ist en vogue. Denn er erfüllt gleich zwei Sicherheitsbedürfnisse: das der klassischen finanziellen Vorsorge und - Corona, Klima-Krise und Co. geschuldet - nun auch den nach einem geschützten Refugium.
"Wohnen ist für mich Heimkommen, Wohlfühlen, die eigenen vier Wände um mich haben."
(Greta G."*)
Freistehend ist gleichbedeutend mit Freiheit
Freiraum für sich selbst und eine klare Distanz zum Nachbarn sind wesentliche Faktoren für die Wohnträume der Befragten. Ihr eigenes Hoheitsgebiet möchten die Österreicher und Österreicherinnen klar abgrenzen. Barrieren wie Zäune, Hecken, Sichtschutze und Gardinen stehen ganz weit oben auf der Wunschliste.
"Ich hätte gerne ein Haus auf dem Land. Ich würde den Garten gern hoch umzäunen, damit die Nachbarn uns nicht sehen können."
(Kaya G.*)
Es überrascht also nicht, dass 63 Prozent der Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen das freistehende Einfamilienhaus als DIE Traumimmobilie nennen. Zum Vergleich: Nur 15 Prozent wünschen sich eine Wohnung im Mehrfamilienhaus. Das eigene Haus steht für Unabhängigkeit – hier kann man frei gestalten und sich ausprobieren, etwa mit selbst angebautem Bio-Gemüse oder im Home-Gym im Keller.
"Selbst bauen ist mir ganz wichtig. Ich will mich ja auch selbst verwirklichen."
(Stephanie W.*)
Sogar Konzepte zum nachhaltigen Wohnen werden durch die Brille eines Selbstversorger-Mindsets gesehen und sind nicht etwa aufgrund idealistischer Vorstellungen zum Klimaschutz populär. Photovoltaik-Anlagen und eine ressourcensparende Ausstattung versprechen Zukunftssicherheit und Unabhängigkeit. Von den Befragten bestätigen 80 Prozent, dass ihnen Energieeffizienz, nachhaltige Materialien und Begrünung wichtig sind.
"Eine PV-Anlage will ich haben, damit ich bei Stromausfall unabhängiger und krisensicherer bin."
(Pavel P.*)
Irgendwo zwischen Moderne und Tradition: die Stil- und Ausstattungswünsche
Es sind gerade Linien und klare Kanten, die die Idealvorstellung modernen Wohnens verbildlichen. Besonders beliebt sind Kubus-Häuser im Bauhausstil – lichtdurchflutete und freistehende Häuser, die für Modernität, Wohnqualität und Pragmatismus stehen. Der Kubus drückt einen repräsentativen, gesellschaftlich akzeptierten Standard aus. Er hat zwar klare Kanten, eckt aber nicht an!
Was der Traum-Kubus bieten muss? Die Wunschvorstellungen der Österreicher und Österreicherinnen hinsichtlich der Ausstattung erscheinen da eher pragmatisch, Must-haves sind der eigene Garten (74 Prozent), eine Garage (70 Prozent) und eine Gerümpelkammer (68 Prozent).
Neben den eher nüchternen, modernen Architektenhäusern träumen die Österreicher und Österreicherinnen – inspiriert vom mediterranen Nachbarn – aber doch auch ein wenig von italienischer Dolce Vita. Barocke Pracht mit Stuck, Marmorboden und historischen Fassaden? Vor allem in der Hauptstadt Wien kommt das gut an. Mediterrane Anklänge zeigen sich im Wunsch nach einem großen Pool (40 Prozent) mit Landschaftsblick und großzügigen Außenbereichen mit "mediterranem Flair", in dem man die "Seele baumeln lassen" kann.
Tiny Houses und Shared Living? Neuen Wohntrends gegenüber ist man skeptisch
Bei aller Liebe zu moderner Architektur, was die Österreicher und Österreicherinnen nicht kennen, wollen sie nicht. Das erklärt auch, warum heiß diskutierte Wohntrends wie Co-Living oder Shared Living im Moment als wenig interessant bewertet werden. Für gewisse Lebensphasen wie das Studium oder den Ruhestand mögen sie durchaus in Frage kommen, 77 Prozent der Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen aber sagen, dass ihnen ihr privater Raum heilig sei. Ihn mit anderen teilen? Lieber nicht.
Auch das Smarthome wird in Österreich noch als Spielerei empfunden, nur 23 Prozent der Befragten wünschen sich entsprechende Systeme. Die Begründung: eine gewisse Sorge vor Überwachung des privaten Wohnraums.
"Man sollte schon mit der Zeit gehen. Ich kann mir eine Koppelung von Waschmaschine mit der PV-Anlage vorstellen. Aber ich will nicht alles offen im Internet haben, ausspioniert werden."
(Tim M.*)
Rückzug ins Idyll und ins Private: Österreich erlebt eine Art Neo-Biedermeier
Auf dem Land spielt sich das Leben im familiären Nahbereich ab, in der Stadt führt vor allem die typische Wiener "Grätzelliebe" dazu, dass man das eigene Viertel auch beim Wohnungswechsel nicht gerne verlässt. Um Wohnträume realisieren zu können, nimmt man gern bekannte Räume in den Blick - oft im Heimatdorf oder in der Nähe der Eltern.
"In meiner Heimat nehmen´s einem übel, wenn man geht. Da wird man im Wirtshaus drauf angesprochen. Ich war auch in vielen Vereinen aktiv. Mich wird's hier nie wegziehen."
(Paul I.*)
Wonach man sich sehnt, hängt dabei stark von der gegenwärtigen Wohnsituation ab. Großstädter und Großstädterinnen möchten am liebsten ins Umland, wer schon im Umland wohnt, will raus ins Ländliche. Nur die Landbevölkerung ist glücklich mit dem Status quo – wer gerade auf dem Land lebt, will auch dortbleiben.
Die Gründe für diese Beliebtheit oder sogar Idealisierung des Landlebens liegen auf der Hand: mehr Platz, günstigere Kaufpreise und ein gewisses "heile-Welt-Versprechen". Das hängt auch mit der starken Heimatverbundenheit der Österreicher und Österreicherinnen zusammen; viele haben Wurzeln und familiäre Bindungen zum Ländlichen.
"Viele meiner Freunde hatten Wohnungen in Linz. Zur Familienplanung kommen sie aber alle zurück aufs Land."
(Selma J.*)
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*Name von der Redaktion geändert
**Zum Studiendesign: Zur vertieften Erfassung der Fakten und Faktoren rund um das Thema Wohnen und das eigene Zuhause in Österreich hat Rheingold, die wir mit der Studie beauftragt haben, erst zehn qualitative Interviews geführt. Dabei wurden zehn Personen, fünf Immobilienbesitzer und Immobilienbesitzerinnen und fünf Mieter und Mieterinnen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Milieus, in verschiedenen familiären und Lebenssituationen auf dem Land und in der Stadt in offenen zweistündigen Gesprächen zu ihrer Wohnsituation und ihren Wohnträumen befragt. Anhand dieser Interviews haben wir einen Fragebogen erstellt, den über 1.000 Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen beantwortet haben, um so die Gesamtbevölkerung Österreichs ab 18 Jahren repräsentativ abbilden zu können.
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